Nicht, dass ich Paul Flora (1922 – 2009) persönlich gekannt hätte, verehrt hab ich ihn schon wie die meisten an Kunst interessierten Menschen auch. Hier gehts aber um sein Grottenbad, ohne näher auf die mysteriösen Umstände der Zerstörung dieses architektonischen Kleinods eingehen zu wollen. Mein 3D-Modell soll das Grottenbad virtuell nochmal zum Leben erwecken, auch wenn das optisch dem Original nicht gerecht werden kann.

Das Grottenbad des Zeichners und Karikaturisten Paul Flora auf der Innsbrucker Hungerburg war ein architektonisches Juwel, das von seinem Freund und Architekten Josef Lackner (1931 – 2000) in den Jahren 1969 – 1970 geplant wurde. 2018 wurde dem Bad "ein Baum" zum Verhängnis.

Mein Modell war bereits 2018 fast fertig, angesichts der Zweifel über die Sinnhaftigkeit eines cleanen 3D-Modells, welches dem morbiden Charme des Originals in keinster Weise entspricht, hab ich es bis heute aufgeschoben. Am Modell geändert hat sich in den zwei Jahren nur die jetzt deutlich genauere Deckenkonstruktion. Sonst ist es halt, wie es ist.

3D Ansicht

Zuerst aufs Bild klicken. Mit der Maus kann man eigene Blickwinkel erforschen. Linke Maustaste drehen, rechte Maustaste verschieben und mit dem Scrollrad zoomen. Auf Smartphones/Tablets die üblichen Gesten, verschieben mit zwei Fingern. Nochwas: Ohne aktiviertem Javascript kann es nicht funktionieren!

Ob dem Architekten mein Modell gefallen hätte?

Möglich, einige Korrekturen hätte er sicher angemerkt. Die Aussenverkleidung hab ich mir erspart, weil mein 3D-Programm mit zu vielen Details überfordert wäre, aber auch deshalb, weil mich mehr die innere Form fasziniert. Die Aussenwand war schräg abfallend und mit vertikal versetzten Betonstegen überzogen, vermutlich um Efeu oder ähnlichen Pflanzen den Aufstieg zu erleichtern.

Der Eingang zum Grottenbad war an das unscheinbare Einfamilienhaus angebaut, da es um das Bad geht, hab ich es weggelassen. Das Modell selbst beruht auf Fotos und alten Plänen, die ich im Internet gefunden habe, wie gesagt ohne die nach unten breiter werdende Mauer zu berücksichtigen. Die Eingangstür und Ablagen neben der Dusche fehlen ebenso.

Image

Aus diesem Grundriss sind die Abweichungen zum Original ersichtlich. Die roten Linien waren meine Konstruktionsgrundlage. Möglich, dass die Vorlage etwas verzerrt war, da die Kreise die endgültige Form eigentlich vorgeben.

Oder lieber doch Fotos

Die wunderbaren Lichtspiele an den Betonwänden sieht man nur auf Fotos. In der Google Bildersuche gibts einige davon.

Presseartikel von 2018:


Technisches (Nachtrag):

Die nachgezeichneten Konturen aus Adobe Illustrator wurden nach und nach, zuerst die Mauer, dann die Wasserfläche, etc. in Wings3D importiert. Wings3D ist ein sogenannter Subdivision Modeller, bei dem Modelle auf einfache Grundformen wie zB dem Würfel aufbauen. Während beim Grottenbad die meisten Teile mehr oder weniger nur bzgl. der Höhe angepasst wurden, war die Deckenkonstruktion der schwierigste Part. Nachdem der Aufbau erledigt war, wurde die 3ds-Datei in Koru geladen. Koru kann Modelle in verschiedenen Importformaten laden, mit Texturen versehen und als interaktives html ausgeben.